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Philosophie ~ KarmUndone. Warum gutes Karma nicht unbedingt gut fürs Karma ist.

Die zweite Woche der #21DaysOfOm ist um!

Ich wette, dass diese Woche jede/r in unserer Yoga-Gemeinschaft das ein oder andere Mal ins Straucheln geraten ist. "Wozu noch mal das Ganze?", haben wir uns gefragt und innerlich die Schlummertaste betätigt, wenn die Yoga-Matte rief.

 

Bevor dich dein Gewissen plagt und du schlechtes Karma befürchtest, hab ich aber was ganz Feines für dich:

warum "gutes Karma" nicht unbedingt gut fürs Karma ist und was es mit diesem vielgenutzten Begriff auf sich hat.

 

Vergiss nicht, zu kommentieren, um am wöchentlichen Gewinnspiel teilzunehmen!

 

:-* Muah, Susanna

 

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"Ich hab 'n Problem mit dem Karma, Alter."

 

Etwas Seltsames ist geschehen: ich wurde innerhalb weniger Tage von drei verschiedenen Menschen  befragt, was Karma sei. "Ich hab echt ein Problem mit diesem Karma!", sagte eine Freundin.

 

In unseren Gesprächen stellte sich heraus, dass uns etwas seltsam erschien an diesem modernen Karma-Konzept. Es roch irgendwie nach dem verstaubten Bonuspunkte-System, bei dem uns gute Taten in den Himmel und Sünden direkt in die Hölle bugsieren.


Aber erst mal von vorne.


Was ist Karma? ~ Die Alltagsdefinition

"Karma, das ist, wenn du gute Dinge tust und dafür gute Dinge zurückbekommst." So, oder ein wenig ausgefeilter, würde uns ein durchschnittlich Yoga-bewanderter Mensch den Begriff erklären.

 

Also ganz ähnlich wie das Prinzip der Goldmünzen bei Super Mario: du sammelst möglichst viele davon und stehst am Ende des Levels gut da. *pling*

 

Bei diesem Karma-Verständnis eilen wir wie Super Mario durchs Leben und sammeln unterwegs unsichtbare Karma-Punkte, indem wir alten Omis über die Straße helfen, Geld spenden und brav unseren Ärger darüber hinunterschlucken, dass sich jemand in der Schlange einfach vor uns stellt.

Super Maria Coin By Mr.Yahoo! (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons
By Mr.Yahoo! via Wikimedia Commons

All das geschieht in der Hoffnung, dass wir ernten werden, was wir säten: nämlich nur Gutes.

 

Und wenn die Traumfrau, die uns sitzen ließ nun ihrerseits verlassen wird; wenn der Chef, der uns anschrie, in den Ruin stürzt und korrupte Politiker Krebs bekommen, gefällt uns das insgeheim sehr gut. Endlich ernten auch die Bösen, was sie säten. Zu viel Schadenfreude erlauben wir uns dann doch nicht. Wär ja schlecht fürs Karma.

 

Ich weiß nicht wie es dir geht, aber für mich klingt diese häufig propagierte Definition von Karma ein wenig zu ... platt.

Was ist Karma? ~ Patañjalis Definition


Im 4. Teil des Yoga-Sutras schreibt Patañjali unter anderem über Freiheit und Karma. Karma wird hier so übersetzt: eine Handlung, die eine Folge nach sich zieht. Einfacher gesagt: "So wie du in den Wald hineinrufst, so ruft es zurück."

 

[Ich erlaube mir, die folgenden Passagen recht frei zu zitieren.]

 

"Das Tun des Yogi ist weder weiß [also "gut"] noch schwarz [also "böse]. Das Handeln der anderen Menschen hingegen ist dreifach: schwarz, weiß und gemischt. [4.7]

 

Aus diesen drei Arten zu handeln entstehen die tief unbewussten Eindrücke [heute würde man sagen: Muster/Prägungen], die genau entsprechend ihrem Wesen zu Neigungen oder Abneigungen heranreifen. [4.8]

 

 

Die Karmische Farbpalette

Laut Patañjali handelt ein Yogi also ganz anders als der Rest der Menschheit.

 

Seine Trennung zwischen Yogis und "Normalsterblichen" sehe ich übrigens so: ein Mensch kann im Laufe eines Tages beides sein: völlig klar in seiner Mitte und komplett ferngesteuert von alten Programmen. Wir brauchen uns also nicht zu bekümmern, ob wir nun schon Yogis sind. Die Antwort lautet: ja, manchmal, und gerne immer öfter, wenn wir das wollen. Okay?

 

Schwarz, Weiß und alles dazwischen

Beispiele für "Gefärbtes" Karma, das du im Alltags-Trott erzeugst:

  • Schwarzes Karma: das berüchtigte "schlechte Karma", also Handlungen, die dir und anderen Schaden zufügen. Ich schätze, du weißt, was gemeint ist. Solche Handlungen lösen entsprechende Folgen aus. Wann diese Folgen allerdings ausreifen und sichtbar werden, ist unterschiedlich.

  • Weißes Karma: das sogenannte "gute Karma", also förderliche oder liebevolle Handlungen. Als Beispiel zählt hier: jedes bewusste Bemühen, etwas Gutes zu tun oder etwas Schlechtes zu unterlassen. Auch gutes Karma löst Folgen aus.
  • Gemischtes Karma: ein bisschen weiß, ein bisschen schwarz. Zum Beispiel das berühmte: "Ich will ja nur dein Bestes." Eine Handlung kann gleichzeitig von Fürsorge und Manipulation geprägt sein. Und löst natürlich auch entsprechende Folgen aus.

 

 

 

Warum also ist "gutes Karma" nicht unbedingt "gut fürs Karma"?

 

Patanjali meint, dass uns weißes Karma genauso behindert wie schwarzes, weil er das Rad von Aktion und Reaktion in Gang hält. Er hat Recht, finde ich. Denn gutes Karma macht aus dem Leben eine Art Wiederholungs-Sendung, genauso wie schlechtes Karma.

 

Lass mich erklären:

 

Weißes Karma sind all die guten Handlungen, die wir ausführen, weil wir es so gelernt haben. Sie sind, so wie auch schwarzes Karma, eine Folge unserer Prägungen. Was gut und was schlecht ist, hängt von Alter, Erziehung, Zeitgeist und vielem mehr ab.

 

Wenn wir sogenannte gute Dinge tun und dabei auf Belohnung hoffen, setzen wir die Karma-Maschinerie in Gang. Das Leben wird wieder ein Stück komplizierter und beladener mit "Müssen" und "Sollen".

 

Um das zu erlangen, was wir im Yoga suchen, nämlich Verbundenheit mit uns selbst und unserer Umwelt, zeigt uns das Leben immer wieder, dass es nicht notwendig ist, uns ständig zum Gut-Sein zu zwingen.

 

Viele Kapitel unseres Lebens drehen sich einzig darum, dass wir lernen, uns selbst zu vertrauen. Es geht darum, wieder ein Gespür für unsere natürlichen Impulse jenseits unserer Prägungen zu bekommen und wieder frisch und wach zu handeln, statt nach Rezept.

 

 

Gutes Karma schützt nicht vor schmerzlichen Erlebnissen

Noch ein Problem gibt es mit dem "weißen Karma". Das Konzept kann uns glauben machen, dass wir durch artiges Verhalten das Leben bestechen können, lieb zu uns zu sein.

 

Wenn wir karmische Bonuspunkte sammeln, sind wir im Grunde ständig dabei, die richtigen Dinge aus den falschen Gründen zu tun. Wir machen artig unser Yoga, essen unser Gemüse oder spenden ein Zehntel unseres Einkommens (alles tolle Dinge!), in der Hoffnung, dass die karmische Retourkutsche uns mit Glück und Wohlbefinden überhäufen wird.

 

Damit manövrieren wir uns wieder in die unglückliche Situation, der wir zu entkommen versuchten. Wir misstrauen uns selbst, dem Leben, unseren Mitmenschen. Unsere "guten" Handlungen beweisen lediglich, wie sehr wir befürchten, vom Leben eins hinter die Ohren zu bekommen. Unsere guten Taten sind in Wirklichkeit ein ständiges Bemühen um Schadensbegrenzung.

 

Wir beginnen zu glauben, dass guten und braven Menschen niemals etwas Schlechtes widerfährt.

Oder umgekehrt heben wir anklagend den Finger, wenn uns etwas Schmerzhaftes geschieht:

"Womit habe ich das verdient? - Bin ich denn so ein schlechter Mensch?!"

KarmUndone - Handeln im Jetzt

"To come undone" bedeutet soviel wie "sich lösen" oder "aufgehen", wie ein Knoten, der sich lockert.

 

Und "KarmUndone" wäre das entsprechende Wortspiel, das beschreibt, wie uns der Knopf aufgeht wenn wir unsere alltäglichen Handlungen bewusster setzen und die Beweggründe dahinter verstehen.

 

Dann bemerken wir, dass schwarzes und weißes Karma eine Form der Gefangenschaft darstellen. Wir sind eingesperrt in verkrusteten Meinungen über uns und das Leben und handeln sozusagen nach Rezept.

 

Im Yoga-Sutra heißt es, dass wir im Zustand des Yoga weder schwarzes noch weißes Karma erzeugen. Unsere Handlungen sind völlig eins mit dem Jetzt und frei von Prägungen, Befürchtungen oder Zwängen.

 

Und weil unser Tun so genau auf den Augenblick abgestimmt ist, steigen wir auch aus aus dem Hamsterrad der Wiederholungssendung. Der Knoten löst sich.

 

Farbloses Karma - ganz und gar nicht blass

Beispiele für "Farbloses Karma", das du im Yoga-Zustand erzeugst:


  • Deine Handlungen entstehen spontan aus einem "Ich möchte", nicht "Ich muss".

  • Du handelst im Jetzt für das Jetzt. Du tust, was du tust, weil es jetzt und hier das Richtige ist und du tust es mit Achtsamkeit.

  • Die Spontaneität die hier gemeint ist, wird begleitet von Gefühlen der Freiheit. Es ist also nicht die getriebene, explosive, ängstliche "Spontaneität", mit der du zum Beispiel beschließt, dich bis zum Abwinken vollzustopfen, oder deiner Familie mal so richtig die Meinung zu geigen.

  • Du weißt, dass jeder Augenblick ein Neubeginn sein kann.


Wenn wir ganz in unserem "inneren Yoga" aufgehen, wissen wir instinktiv, dass alle Begebenheiten in unserem Leben ihren Sinn und ihre Richtigkeit haben. Auch wenn wir planen wissen wir, dass es nicht darum geht, uns besondere Mühe zu geben, schneller oder besser zu sein. Wir spüren: für mich ist gesorgt, wenn ich nur den Kontakt zu mir nicht verliere.

 

Wann immer es uns gelingt, das Leben für einen Wimpernschlag wie neugeboren und jenseits unserer üblichen Vorlieben zu sehen, empfangen wir das Geschenk des Yoga: ganz wir selbst zu sein und jeden Moment neu und frisch gestalten.


 

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Und nun zu dir!

  • In welchen Bereichen deines Lebens tust du "das Richtige" aus den falschen Gründen? (Nicht weil du willst, sondern weil du musst?)
  • Welche guten Dinge tust du spontan, wenn du ganz eins mit dir bist?
  • Was kannst du heute vollkommen präsent und mit allen Sinnen tun?

 

Alle eingehenden Kommentare nehmen am abschließenden Yogamehome-Gewinnspiel am 21.10.2014 teil.

Bitte vergiss nicht, eine Kontaktmöglichkeit zu hinterlassen, damit wir dich erreichen, falls du gewinnst.

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