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"Let go to flow" • Yoga fürs Loslassen

Let go to flow • TCM-inspirierte Yoga-Sequenz fürs Loslassen

Vor einigen Tagen führte ich ein Gespräch mit einer Frau, die über einen herben Rückschlag sprach, der vor Wochen geschehen war: "Ich weiß, ich sollte loslassen." Irgendwie machte mich das stutzig. Ihr Ratschlag an sich hatte mehr Schlag als Rat in sich.

 

Es war spürbar: Sie war richtig enttäuscht und geknickt. Was sie sich sehr ersehnt hatte, war komplett schief gegangen. Nun sagte sie Dinge, wie: "Eine Tür schließt sich, eine andere öffnet sich." Sie sprach die Zauberformeln, die wir aus Selbsthilfebüchern kennen:

 

"Lass los, was du liebst. Wenn es zu dir zurückkehrt, dann weißt du, dass es dir gehört."

 

Ich dachte: "Bullshit." 🙊

 

Allerdings hatte ich nicht den Mut oder die gedankliche Klarheit, ihr das genau so zu sagen. Aber ich habe darüber nachgedacht und herausgefunden, was mich an diesen Loslass-Anweisungen manchmal ärgert:

 

Wie sollen wir etwas loslassen, das wir noch nicht mal richtig gehalten haben?

Wie sollen wir einen Traum gehen lassen, den wir uns noch nicht einmal zugestanden haben?

 

Um mir diese Fragen IM Körper (nicht im Kopf) zu beantworten, habe ich eine Yoga-Sequenz entworfen, die den Fluss von Halten und Loslassen unterstützt. Sie passt hervorragend zum Spätherbst. Übe die 5 Asanas aber jederzeit, wenn du das Bedürfnis hast, loszulassen und dich vom Flow deiner Entwicklung forttragen zu lassen.

 

Let go to flow 💐 Susanna

Loslassen geht nicht ohne Halten

Es klingt logisch, dass wir nichts loslassen können, das wir nicht zuvor gehalten haben. Aber in der Realität ist es so, dass wir besonders unsere innigsten Wünsche nie wirklich "halten". Wir beanspruchen sie nicht als unsere und wagen es kaum, zu denken: "Das ist mir so wertvoll, dass es mich wirklich aus der Bahn werfen würde, es zu verlieren."

 

In einer Welt, in der von allen Spiri-Dächern gerufen wird, wir sollten das Glück "in uns" finden und "uns selbst lieben, sonst täte es keiner", gilt es als uncoole und gar unspirituelle Verhaftung, an irgendetwas zu hängen, das außerhalb unserer selbst liegt.

 

Wenn du jemals versucht hast, eine Freundschaft oder Beziehung zu jemandem aufzubauen, der zwanghaft darum bemüht ist, alles (dich inkludiert) loszulassen und freizugeben, dann weißt du vielleicht, wie frustrierend falsch verstandene Nicht-Anhaftung (Vairagya) sein kann.

 

Der Paar-Psychologe David Schnarch bemerkt in seinem Buch "Resurrecting Sex", dass sich Paare einander mit den Jahren nicht unbedingt deshalb entfremden, weil sie einander nicht mehr lieben. Er hat das Gegenteil festgestellt. Je älter diese Menschen werden, desto bewusster wird ihnen die schwindende gemeinsame Zeit. Es ist schmerzhafter, jemanden in diesem Wissen immer mehr zu lieben und zu schätzen. Vielen scheint es erträglicher, keine Gefühle zuzulassen und mit Streit und Drama künstlichen Groll gegen den Anderen zu erzeugen.

 

Es macht verletzlich, zu spüren, wie wichtig uns manches ist und es in seiner Kostbarkeit in unserem Inneren zu verwahren. Oft fühlen wir das erst, wenn alles verloren scheint. Instinktiv spielen wir dann besondere Szenen noch einmal durch. Wir versuchen, alles noch einmal auszukosten und mit allen Sinnen zu erinnern. Warum? Es ist nicht möglich, loszulassen, was wir nicht vorher mit jeder Faser gehalten haben. Deshalb führt - meiner Erfahrung nach - der Weg zum echten Loslassen zuerst einmal übers Haben- und Halten-Dürfen.

 

Dein Körper kennt den Unterschied zwischen Klammern und Halten. Er kenne auch den Unterschied zwischen Entreißen und Loslassen. Halten und Loslassen tanzen miteinander, wie Einatem und Ausatem. Sie bedingen einander. Zwing dich nicht, nur loszulassen, oder nur zu halten, wenn du keinen (symbolischen) Atemstillstand erleben möchtest.

Loslassen • Eine TCM-Perspektive

Dieser Flow unterstützt besonders deine Lunge in ihrer Fähigkeit, Leben herein zu lassen und Verbrauchtes auszuatmen. Die Lunge ist zusammen mit der Haut und dem Dickdarm dem Metall-Element zugeordnet. Metall ist zweischneidig und ambivalent: Du kannst damit trennen (Messer), aber auch stützen (Stahlträger) und verbinden (Ringe, Kabel). So ist auch das Loslassen: Es ist ambivalent, bittersüß. Es lässt dich Trauer spüren, schenkt dir aber auch Stütze und Mut, um dich mit leeren Händen einem neuen Atemzug und einem neuen Tag zu öffnen.

 

Die Meridiane und ihre Bewegung:

  • Öffnest du deine Arme weit und dehnst dich bis in die Daumenspitzen, dehnst du den Lungen-Meridian. Das ist die Geste, die du machst, wenn du das Leben umarmst und dich verbindest.
  • Schiebst du eine große Tür vor dir zu, während du dich zwischen den Schulterblättern dehnst und den Blick senkst, dehnst du den Dickdarm-Meridian. Das ist die Geste, wenn du Dinge von dir fern hältst, dich löst und in deinen eigenen Raum gehst. 

 

Satt werden: Die Mutter des Metall-Elements

  

Im Zyklus der Elemente kommt die Erde vor dem Metall. Sie ist also die Mutter des Metall-Elements. Erde symbolisiert nicht nur Zentriertheit und Bodenhaftung, sondern vor allem auch Nahrung und Assimilation. Deine Erd-Stärke, Dinge in dich aufzunehmen und zu verdauen, stärkt das Loslassen im Metall. Stell es dir so vor: Solange du nicht satt bist, wirst du den Teller vor dir nicht loslassen wollen. Wenn du allerdings gefüllt bist, fällt es leicht, dich zurückzulehnen und den Teller vor dir ziehen zu lassen. Dann ist es kein Verzicht, keine Entbehrung, sondern ein natürlicher Ablauf. Die Erde schenkt dir Ruhe und Zentriertheit, um voll und satt zu werden: Deine Gefühle zu halten, dich gänzlich zu spüren, bis die Intensität des Hungers oder der Sehnsucht nachlassen kann.

Let go to flow • Sequenz

Let go to • Yoga fürs Loslassen

1 Rolling Cobra 5-10x

Beginne im Kind und strecke die Arme neben den Ohren aus, erde die Handflächen. Gleite langsam vorwärts in die Bauchlage, als würdest du mit der Nase eine Murmel nach vorn über den Boden schubsen. Das Becken drückt schwer in die Erde, bis sich Herz und drittes Auge ins Licht öffnen. Zieh dich zurück ins Kind, wiederhole.

 

2 Abwärts und aufwärts schauender Hund mit Block 5-10x

Zieh die Sitzhöcker aus dem Vierfüßler erst weit zurück und dann hoch in den Hund. Beug die Knie, dehne die Lungen-Räume von den Fenstern zu den Türen, den Achseln zu den Leisten. Nun schieb die Fersen zurück und das Brustbein vor in ein Brett. Leg die Oberschenkelmuskeln auf einen quergestellten Yogablock ab. Öffne Herzmitte, Sprachzentrum und 3. Auge in eine neue Perspektive.

 

3 Brücke oder Rad/Bogen 3-5 Atemzyklen, 2-3 Wiederholungen

Halte in der Rückenlage einen Block zwischen den Oberschenkeln. Öffne die Hände empfangend und drück das Becken mithilfe der Füße vom Boden ab. Halte die Achseln, also die Fenster zu den Lungen offen, belüftet. Ein bisschen Schmackes im Popsch hilft und öffnet die Türen zu den Lungen, die Leisten. Die Stirn ist glatt, das Sprachzentrum innerlich entspannt. Leg den Rücken ab und empfange den Energieschwall im Körper.

 

Alternativ: Wenn du warm genug bist, übe Rad oder Bogen 2 bis 3 Mal.

 

4 Apanasana mit Heilströmen 10 Atemzyklen oder länger

Zieh in Rückenlage die Knie bequem zu dir. Kreuze die Fußgelenke und greif mit der rechten Hand den linken Fuß und umgekehrt. Visualisiere die Verbindung von Hand zu Hand durch den Körper hindurch. Bring das Gefühl, zufrieden zu lächeln, ins Gesicht, in die Brust, den Bauch. Die Hände sind durchlässig, wie Kabel. Lass es gelassen durch dich durchströmen, bis du dich vollständig fühlst.

 

5 Savasana 5 Minuten

Breite Arme und Beine geräumig aus. Bitte deinen Körper, sich 5 Minuten lang nicht mehr zu bewegen. Sinke in süße Stille. Wenn du einatmest, atmet das Leben in dich hinein aus. Wenn du ausatmest, schenkst du dem Leben einen neuen Atemzug. Werde satt mit dem Einatem. Lasse erleichtert los mit dem Ausatem.

 

 

 

Titelfoto: Nicolas Ipiña

Yoga-Flow & Zeichnung: Susanna Kubarth



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