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Wie innen, so außen: Spiegelgesetze im Körper.

ICH BLICKE UM MICH

UND SEHE MEIN INNEN.

ICH BLICKE NACH INNEN

UND ERKENNE DIE WELT.

 

Wir leben tagtäglich mit einem Meister, der die Spiegelgesetze intelligent und präzise anwendet: unserem Körper.

 

Diesen Meister haben wir immer mit dabei. Er vermittelt uns die kompliziertesten Zusammenhänge und Wechselwirkungen auf persönliche, anschauliche und deutlich fühlbare Weise.


Dein Körper beherrscht die Kunst, Gegensätze harmonisch zu verbinden und dir damit Kraft, Ausgeglichenheit und Geschmeidigkeit auf körperlicher, geistiger und gefühlter Ebene zu schenken.

Hast du Lust, die Spiegelgesetze im Körper nutzen zu lernen?

Probier es gleich aus: direkt am Schreibtisch.


Aufrichtung

Wenn ich Menschen bitte, sich gerade aufzurichten, zeigen sie mir häufig folgende Haltung:

Aufrichtung ohne Gegenpol

Brust raus, Bauch rein, Rücken unter Spannung, die Schultern vielleicht sogar hochgezogen.


Mache selbst den Test im Sitzen oder Stehen. Entspanne den ganzen Körper und richte dann nur den Oberkörper auf, während Beine und Füße unbeteiligt bleiben.

 

Insgesamt ist "Aufrichtung" in diesem Zustand eine mühsame Angelegenheit. Kein Wunder, dass wir diese Art des „Geradeseins“ nicht lange aufrecht halten wollen.


Was ist geschehen?

Die meisten von uns bewegen sich auch im Alltag mit sturer Verbissenheit auf das Ziel zu, dass sie anvisiert haben.

 

Beim Prinzip der "Aufrichtung" denken wir also an die Richtung, in die wir den Körper bewegen wollen: nach oben. Und ziehen uns mit aller Kraft genau dort hin.

Was bewirken die Spiegelgesetze im Körper?

Die wichtigste yogische Lektion ist ein Lehrbeispiel für die praktische Umsetzung

der Spiegelgesetze, und zwar auch im Körper:


DEIN ZIEL IST NUR EIN POL – NUTZE AUCH SEIN GEGENTEIL!

 

Ein yogisch trainierter Körper nutzt das Prinzip der Polarität meisterlich:

„Aha, ich will nach oben – wo also kann ich nach UNTEN arbeiten,

um die Sache harmonisch anzupacken?"

 

Den Gegenpol finden und einbeziehen

Aufrichtung mit Gegenpol

Versuche mal, von deinem Stuhl aufzustehen.

 

Um hochzukommen, wirst du beide Beine kraftvoll in die Erde stoßen: et voilà, dein Körper wendet von selbst das Prinzip der Polarität an.

 

Um sich nach oben zu bewegen, stößt er sich nach unten ab. So einfach ist das – ist es das?


Richte dich im Sitzen oder Stehen auf, indem du erst die Beine und Füße einsetzt. Beobachte dann, wie viel leichter es fällt, den Oberkörper auf dieser Basis aufzurichten.

 

In der zweiten Variante kannst du erleben, dass sich der Körper integriert. Die Muskelanstrengung ist gleichmäßig verteilt. Auch die Aufmerksamkeit ruht im ganzen Körper.


In der ersten Variante überarbeitet sich die obere Hälfte des Körpers,

während der Rest unbeteiligt bleibt. Das fühlt sich körperlich "gespalten" an.

 

Klar, du wendest nur einen Pol der Bewegung an.

Und der Gutteil der Aufmerksamkeit ruht oben im Körper.

Das Prinzip im Alltag

Wenn ich mich auf ein bestimmtes Ziel eingeschossen habe und

dabei auf den natürlichen Gegenpol vergesse,

werde ich mit großer Zuverlässigkeit schnell erschöpft, lustlos oder frustriert.

 

Vielleicht richtet sich mein Blick verbissen darauf, etwas im Außen in Bewegung zu bringen. Oder ich schwurble tagelang um meine inneren Problemchen herum. So oder so ist es hilfreich, die beiden Extreme (mein inneres Erleben und meine äußere Welt) als gleichberechtigte Spiegelflächen zu betrachten.

 

Bringe ich beide Pole in Verbindung, können sie zusammenarbeiten.

Ich erlebe Stabilität und Leichtigkeit,

Stille und Bewegung:

die Kennzeichen von einem Zustand des Yoga, der Verbindung.

 

 

Ich bin ein Fan davon, zuerst den Körper in Ordnung zu bringen.

Meine Erfahrung zeigt, dass dann der Rest am Schnellsten nachzieht.

 

Ich spare mir einen Haufen aufwendiger Problemanalysen und

komme zu wesentlich konkreteren Erkenntnissen.

Merke: der Gegenpol ist unsichtbar!

Würdest du mir zusehen, wie ich in die Haltung komme,

sähest du nur, wie ich meinen Rücken aufrichte (weißer Pfeil).

 

Die Gegenaktion(schwarze Pfeile) ist von außen nicht sichtbar:

du kannst den Druck meiner Beine und Fersen nicht erkennen.

 

MERKE: DER GEGENPOL IST MEIST UNSICHTBAR,
VERÄNDERT ABER DAS ERGEBNIS SICHTBAR.

 

Der Gegenpol ist deine innere Absicht.

Stocksitz

Yogahaltung: Dandasana,

der Stocksitz.

 

Beine und Arme arbeiten nach unten, die Wirbelsäule richtet sich mühelos auf.


Beispiele?

 

  • Eine Sängerin, der bei den kniffligen hohen Tönen nach unten denkt.
  • Ein Kampfsportler, der die schnellen Abläufe geistig in Zeitlupe trainiert.
  • Eltern, die darauf achten sich selbst zu entspannen, während sie ihr unruhiges Kind trösten.

In allen Fällen bleibt die innere Absicht unsichtbar, sorgt aber für einen spürbaren Unterschied in der äußeren Aktion.


Möchtest du mehr?

Hier zwei weitere Experimente: Seitneigung und Drehung.


Seitneigung

Dies ist die im Alltag vernachlässigste Bewegung der Wirbelsäule – gönn dir also jetzt und hier einen genüsslichen Seit-Stretch.

 

Los geht’s: beobachte wieder die primäre Bewegungsrichtung:

Seitneigung ohne Gegenpol

Probier’s aus, neig dich nach links.

Denke dabei an die primäre Richtung, in die du möchtest:

nach oben und links.

 

Notiere innerlich Intensität und Verteilung der Dehnung.


Seitneigung mit Gegenpol

Hole nun den Gegenpol in die Bewegung:

 

Verankere die Füße wie in der ersten Übung, um dich aufzurichten.

 

Nun wird deine rechte Pobacke schwer wie Blei.

Verankere die ganze rechte Seite des Beckens und

bewege dich von hier aus wieder in die Seitneigung.

 

Nimm dabei den Gegenpol wahr, von dem du dich wegbewegst.


Die Seitöffnung ist in dieser Variante wahrscheinlich intensiver; die ganze Haltung kraftvoller.

Yogahaltung: Utthita Parsvakonasana,

der gestreckte Seitwinkel.


Der Gegenpol zur Armdiagonale ist der kraftvolle Schub

in die hintere Fußaußenkante.

Gestreckter Seitwinkel


Drehung

Drehungen sind scheinbar einfach Vorgänge – sehen wir uns mal an, wie leicht es dabei ist, die Ausrichtung zu verlieren:

Aua-Drehung

Im Bild siehst du eine Drehung nach rechts,

bei der ich auf meinen Gegenpol vergessen habe:


Ich recke meinen Kopf nach rechts – denn da will ich schließlich hin.

 

Ich kippe sogar in die Richtung.

Mein Becken dreht sich ebenfalls mit,

was du an den Knien ablesen kannst.

 

Übrigens kriegt hier mein Rücken nichts von der Wohltat mit,

die eine gute Drehung ihm beschert.


Übrigens habe ich die Drehung mit dem Kopf begonnen.

Das aber löst einen „Sperr-Reflex“ in den seitlichen Fortsätzen der Halswirbel aus.

Er blockiert folglich die gesamte Wirbelsäule in ihrer Drehung.


Kurz gesagt bedeutet das:

wenn du eine Drehung mit dem Kopf beginnst,

kommst du einfach nicht besonders weit.

 

Probier’s aus!

Und nun: den Dreh raus haben

Stell dir vor, wie du ein nasses Handtuch auswringst:

erst straffst du es, dann drehst du es.

 

Genau so funktioniert eine Drehung, die deinen Rücken entzückt.

 

Du benötigst also zwei Gegenpole:

einen für die Aufrichtung und einen für die Drehung selbst.

 

  • Den Gegenpol zur Aufrichtung kennst du schon:
    die Füße arbeiten zart in die Erde und der Rücken wird angenehm lang.

  • Der zweite Gegenpol ist dein Becken.
    Die Achse zwischen den Hüftknochen bleibt stabil,
    während sich die Achse der Schultern drehen wird.

Schritt für Schritt:

Drehung Nabel

Einatem: Aufrichtung
Ausatem: dreh deinen NABEL nach rechts, das Becken hält dagegen.


Drehung Herz

Einatem: Aufrichtung
Ausatem: dreh dein HERZ nach rechts, das Becken hält dagegen


Drehung Achsel

Einatem: Aufrichtung
Ausatem: dreh deine rechte Schulter nach rechts und zart nach unten, das Becken hält


Drehung Nacken

Einatem: Aufrichtung
Ausatem: drehe den Kopf nach rechts. Becken hält.


Im Vergleich

Drehung von oben nach unten,

ohne Gegenpol:

Aua-Drehung

Drehung von unten nach oben,

mit Gegenpol:

Drehung Nacken

Wie du siehst, bleiben in der zweiten Variante die Knie

auf magische Weise parallel, weil das Becken verankert ist.

Die Drehung ist wesentlich tiefer.

 

In dieser Variante wirst du den Einsatz der tiefliegenden Muskulatur

in deinem Oberkörper zu spüren bekommen,

besonders die seitlichen Bauchmuskeln,

Rückenstrecker und Drehmuskeln der Wirbelsäule.

 

Ja, das ist anstrengender. Aber denk dran:

 

Die Drehung ist wie das Auswringen eines Handtuchs.

Also, spül den Dreck raus!


Yogahaltung: Jathara Parivartanasana,

die liegende Drehung.

 

Schulter, Arm und Hand bilden den Gegenpol

zur Drehung des Beckengürtels.

Liegende Drehung

Wie fühlst du dich jetzt, liebe/r Yogi/ni? Deine Kommentare sind herzlich willkommen:

Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Markus Müller (Mittwoch, 21 August 2013 10:57)

    Hey - fantastisch erklärt
    I´ll do it !!

  • #2

    Susanna (Mittwoch, 21 August 2013 11:11)

    Yay, Markus! :-)
    Viel Spaß beim Üben - lass mich wissen, was du entdeckt hast!

  • #3

    Mummu chao (Donnerstag, 05 September 2013 20:27)

    Gefällt das!

  • #4

    Lars (Montag, 15 August 2016 03:14)

    Hi Susanne☺

    Danke! Klasse beschrieben! War für mich bisher eine Selbstverständlichkeit. Dann ein paar schlimme Jahre, Verlust des Selbst und Körpergefühls.

    Nun der Weg zu einem neuen Selbst mit mehr Bewusstsein.

    Alles Gute Dir!

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