Archetypen: Der Saboteur, Hüter des Tellerrands ~ Teil 1

Den Saboteur erkennen und verstehen. ~ Teil 1.
Yves Klein, "Sprung ins Leere", 1960

Er gilt als Herrscher im Reich der kalten Füße, unermüdlicher Anwalt der faulen Ausreden und Rückzieher: der Archetyp des Saboteurs.

 

Obwohl er uns damit zugegebenermaßen das Leben schwer macht und deshalb gern durch den Kakao gezogen wird, ist es doch gut ihn zu haben. Weil jede/r von uns diesen Archetypen kennt, lohnt es sich, ihn ein bisschen besser kennenzulernen und sich mit ihm zu verbünden.

 

Dieser Artikel ist Teil 1 einer Serie, die dir helfen wird, diesen universellen Archetypen zu verstehen und dich mit ihm anzufreunden.

In Teil 2 findest du zwei Übungen, um den Saboteur zu integrieren.


Teil 1

Den Saboteur verstehen: 4 Merkmale

1) Archetypen als Symbol der Lebenskraft

Jeder Archetyp ist ein Symbol dafür, wie und wofür wir unsere Lebenskraft einsetzen wollen. Beispielsweise hat eine „Ingenieurin“ den Wunsch, eine Situation zum Funktionieren zu bringen, während ein „Clown“ die selbe Situation durch die Macht des Humors zu heilen oder zu beleuchten versucht. Ein Archetyp ist also ein Symbol dafür, was wir auf einer tieferen Ebene in einer Situation bewirken wollen und wohin sich unsere Energie darin wendet.

 

Und was will der Saboteur? Alles kaputt machen? Behindern? Dinge in die Luft jagen? Vordergründig schon.

Aber in Wirklichkeit will er eins: dir deinen Tellerrand zeigen.

2) Der Saboteur als Hüter deines Tellerrands

Er überfällt dich mit bleierner Müdigkeit, wenn du doch eigentlich das erste Mal eine neue Sportart ausprobieren wolltest. Er belegt dich mit Kehlkopfentzündung kurz vor der Ansprache deiner Karriere. Er leert dein Hirn während der Abschlussprüfung, oder verwandelt dich ins Klammeräffchen, das deine neue Freundin endgültig in die Flucht treibt.

 

Der Saboteur erwacht jedes Mal, wenn wir die Grenze unserer bisherigen Komfortzone erreichen. Er zeigt uns also, dass wir kurz davor stehen, etwas vollkommen Neues zu erleben.

 

Wenn du ein buntes und abwechslungsreiches Leben lebst, in dem du immer wieder Neues ausprobierst, stehen die Chancen gut, dass du deinen Saboteur sehr gut kennst. GRATULIERE!


Übrigens: Zum „Aufbruch ins Unbekannte“ gibt es ebenfalls einen Artikel mit Meditations-Übung.

3) Der Saboteur als Wächter deiner Dehnungsstreifen

Der sabotierende Aspekt deines Innenlebens wirkt erstmal selbstzerstörerisch. Doch in Wahrheit ist er nicht gegen dich, sondern versucht, dich vor unbekannter Gefahr zu schützen. „Besser die bekannte Misere als der unbekannte Himmel!“, ist das Motto des Saboteurs und in diesem Sinne wird er dich mit Zähnen und Krallen von jeder vermeintlichen Todesgefahr fernhalten. Aber nur solange du ihn nicht verstehst!

 

Seine Energie signalisiert, dass du etwas FÜR DICH Neues unternimmst. Das ist immer aufregend, selbst wenn Freunde, Tageszeitung oder auch Vernunft die Gefahr als Lappalie abtun.

 

Der Saboteur macht dich darauf aufmerksam, dass du als Mensch wächst, nämlich über dich hinauswächst. Jede Form der Ausdehnung geht mit Dehnungsstreifen einher. Damit meine ich den Preis, den du für dein Wachstum bezahlst. Du wirst vielleicht mehr Selbstverantwortung übernehmen, dich nicht länger verstecken und in dein früheres Leben zurückkehren können.

 

Der Saboteur frägt immer nach, ob du diesen Preis zahlen willst.

4) Der Saboteur als Verwandlungskünstler

Kein Saboteur legt die Karten auf den Tisch und verkündet: „Guten Tag, ich werde nun Ihre Pläne beeinträchtigen.“ Ausnahmen: Er ist sich sicher, dass ihm keiner glaubt oder meint es mit dem Sabotieren nicht so ernst. „Tarnen und Täuschen“ ist die Strategie dieses Aspekts.


Der Saboteur tarnt sich, indem er sich das Kostüm eines anderen Archetypen anlegt.


Beispiele: nehmen wir an, eine Person mit den Haupt-Archetypen von Ingenieurin und Clown bekäme ein tolle, aber äußerst weitreichende Karriere-Chance geboten. Sie ist sich vielleicht nicht der Befürchtungen bewusst, die mit diesem Angebot einhergehen (z.B. weniger Zeit für sich, mehr Verantwortung für mehr Menschen). Was also könnte ihr Saboteur tun, um die "Gefahr" des Aufstiegs gänzlich zu bannen oder den Veränderungsprozess zumindest  zu verlangsamen? Er könnte etwa in wichtigen Gesprächen plötzlich allzu salopp oder kasperleartig auftreten (Clown) und so die Integrität und Ernsthaftigkeit unserer Person zu unterminieren. In zwischenmenschlich heikleren Gefilden könnte er plötzlich zu technisch und mechanisch vorgehen (Ingenieur), was wiederum Vertrauen und Respekt der potentiellen Teammitglieder schwinden ließe.

 

Wichtig zu wissen ist, dass der Saboteur den Auftrag hat, den Befürchtungen der Person entsprechend zu agieren. Wer sich seine Befürchtungen bewusst macht, kann mit dem Saboteur verhandeln, statt von ihm gegängelt zu werden.

 

Der Saboteur wirkt also über die sogenannten Schatten-Qualitäten anderer Archetypen. Deshalb ist es so hilfreich, zumindest einige archetypischen Energien zu kennen, denen du dich nahe fühlst.


Lies Teil 2 der Serie zum Saboteur.


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