Praxis - Der Kopfstand. Tipps & Video

Alle, die ihre Welt gelegentlich auf den Kopf stellen, sind in guter Gesellschaft. Viele Kulturen erzählen Geschichten von Göttern  und Göttinnen, die auf einen Perspektivenwechsel setzten, um Wissen und Macht zu erlangen.

Der Kopfstand ist eine bewährte Methode,

um ungewöhnliche Sichtweisen einzunehmen,

im Augenblick zu verweilen und

in der Angst sein Gleichgewicht zu finden.

 

Hier ein paar gute Gründe, sich auf den Kopf zu stellen.

Und was es zu beachten gilt.

Salamba Sirsasana
Salamba Sirsasana - Der Kopfstand mit Stütze

Kopfstehen lässt (fast) niemanden kalt

Die meisten, die ich unterrichte, empfinden beim Gedanken an den Kopfstand anfangs eine Mischung aus Respekt und Angst. Bei einigen ist es Vorfreude, gepaart mit einem mulmigen Gefühl in der Magengrube. Der Kopfstand ist die Verkörperung so ziemlich aller Dinge, die Angst machen. Doch du kannst nicht nur lernen, dich auf den Kopf zu stellen, sondern auch, dich in der verkehrten Welt wohl zu fühlen.

 

Stell dir vor, du könntest die Furcht vor dem Fall überwinden,

deinen Unsicherheiten mit einem klaren, ruhigen Geist begegnen und die Freude erleben, die sich einstellt, wenn Körper und Innenleben sich neu vernetzen.


Es ist möglich!

 

Denn du hast schon einmal gelernt, unfallfrei zu gehen und zu stehen. Du kannst es wieder tun.



Dein Innenleben im Kopfstand

3 Weisheiten, direkt aus dem Körper gewonnen

1) Wie ein Kind

Der Weg in den Kopfstand hat viel gemeinsam mit unseren ersten Steh- und Gehversuchen: Aufstehen, hinplumpsen. Aufstehen, einen Fuß nach vorne setzen. Wackeln. Hinplumpsen. Und noch mal. Und wieder. Und wieder. Bis es irgendwann funktioniert.

 

Das Stehenlernen ist für Kind und Erwachsenen anders behaftet. Der größte Unterschied ist vielleicht die Freiheit, mit der wir uns als Kind noch dem Ausprobieren hingeben konnten. Das Umfallen war Teil des Lernens.

Als Erwachsene habe wir meist Bekanntschaft mit dem Konzept des Versagens gemacht.


Der Kopfstand ist eine wunderbare Möglichkeit, die persönliche Beziehung zum Versagen (oder Umfallen) freier zu gestalten und den Spaß am Körper wiederzuentdecken.


2) Angst und Schrecken

Anfangs ist es ein Spiel mit der Furcht:

 

Können wir offenherzig bleiben, nicht zurückweichen, uns stark in den Boden pflanzen,
obwohl uns die Knie schlottern?

Können wir behutsam einen Schritt nach dem anderen tun, bei der Sache bleiben,
auch wenn wir wünschten, das Ganze wäre schnell vorbei?

 

Der Weg in die Welt kopfüber ist eine Chance, sich mit der Angst anzufreunden, einen kühlen Kopf zu bewahren und viel über sich zu lernen.


3) Gleichgewicht

Der Augenblick, in dem alles kopfsteht, ist ein kostbarer Moment.

 

Die Sinne orientieren sich nach den Meldungen des Körpers.

Gleichgewicht ist kein linearer Zustand, der einmal erreicht und dann gehalten wird.

 

Die persönliche Balance ist ein Tanz im Augenblick - das macht der Kopfstand deutlich.


Praktische Tipps & Video

Checkliste für einen sicheren Kopfstand


  • Wie lang sind die Oberarme im Verhältnis zu Hals und Kopf?
  • Fühlt es sich besser an, auf der Fontanelle oder weiter dahinter auf dem Scheitel zu stehen?
  • Wie stark sind Schultern, Rücken und Bauch?
  • Wie gedehnt sind die Beinrückseiten?
  • Gibt es Gegenanzeigen: Augen-OPs, Verletzungen an der Halswirbelsäule, stark erhöhten Blutdruck oder Probleme mit der Netzhaut?

Aus diesen Faktoren können gute Yoga-Lehrer/innen die für deinen Körper beste Sirsasana-Variante ermitteln und dir zeigen, wie du sie erlernst.


Noch eine Geschichte zum Schluss

Pure Freude

Meine Liebesaffäre mit dem Kopfstand

Ich war früher eine sportliche Null.

 

Alles, was ich unter Beobachtung und Androhung von Bewertungen an sportlichen Kraftakten vollbringen sollte, führte dazu, dass meine Koordination und Anmut vergleichbar wurden zu denen eines nassen Fetzens. Ich bewegte mich immer gern, aber ich war nie besonders stark noch besonders ehrgeizig, mich mit Anderen zu messen. Ich produzierte keine schönen Räder oder Aufschwünge, keinen einzigen anständigen Spagat, keine mörderischen Aufschläge im Ballspiel.

 

Ich erlernte den Kopfstand in der privaten Abgeschiedenheit meines Zimmers. Irgendetwas hatte mich an dieser Haltung angezogen und ich hatte mir Rat geholt von einer guten Yogalehrerin. Ich gestehe, dass ich von Anfang an mit dem Scheitern rechnete.

 

Ich war kein yogisch-gymnastisches Supertalent, das scheinbar im Handstand zur Welt gekommen war.

 

Meine Lehrerin hatte mir geraten, die Haltung mit dem Atem aufzubauen. So ging ich anatomisch korrekt vor und behielt außerdem einen kühlen Kopf.

 

Ich lernte zwangsläufig das Umfallen. Am Anfang wurde ich vor allem eine Meisterin darin, mich dem  Unvermeidlichen zu fügen, mich zusammenzukugeln und schmerzfrei zu landen. Es gab Tage, da balancierte ich auf wundersame Weise ein paar Sekunden kopfüber, und Tage, da brachte ich beim besten Willen keinen Fuß vom Boden.

 

Irgendwann geschah das, was ich nicht erwartet hatte. Ich konnte stehen. Mühelos. Freudvoll. Ich hatte Ruhe, um die Feinheiten der Haltung herauszumeißeln. Ich genoss. Ich vertraute meinem Körper und der Schwerkraft.

 

Der Kopfstand ist nach wie vor ein Fest für mich.

Er erinnert mich daran, dass das Unvorstellbare erreicht werden kann und dass mein Körper ein unglaublich kluges, lernfähiges und balanceliebendes Wunderwerk ist, dem ich vertrauen kann. Yay!

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Kommentare: 2
  • #1

    Christine Kober (Donnerstag, 21 Februar 2013 14:46)

    Danke für diesen Beitrag liebe Susanna. Echt aufschlussreich und interessant! Mein Abenteuer mit dem Kopfstand war ähnlich. Ich brachte mir Yoga anhand eines Buches selbst bei und beim Kopfstand dachte ich, dass ich den nie schaffen würde. Aber ziemlich bald stand ich einfach und diese Position ist seit dem meine Lieblingsposition. Ich könnte stundenlang stehen, wenn es um meinen Spaß daran geht ;-). Cool, deine Assoziationen und (Be-)Deutungen zu lesen! Du bist so authentisch und ehrlich und lehrst Yoga von innen heraus, mit Leichtigkeit und spielerischer Freude als wäre es ein Tanz - ist es wohl auch. Alles Liebe und danke nochmal! Christine

  • #2

    Susanna (Dienstag, 26 Februar 2013 14:55)

    Hallo Christine, vielleicht kommt ein Gutteil unserer Kopfstand-Freude daher, dass wir geglaubt haben, ihn nicht zu können? Es geht mir jedenfalls wie Dir: je nach Tagesverfassung könnte ich eine halbe oder auch eine ganze Ewigkeit auf dem Kopf verbringen. :)

    Danke für Deine lieben Worte. Es freut mich, wenn ich den Funken weiterreichen darf.

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